Wenn im Spätsommer und Herbst der Duft von feuchtem Moos und Laub durch den Wald zieht, zieht es viele Menschen mit Korb und Messer ins Grüne. Das Pilzesammeln ist für viele Seniorinnen und Senioren eine liebgewonnene Tradition, ein Stück Heimat und eine wunderbare Gelegenheit, sich an der frischen Luft zu bewegen. Damit aus dem schönen Ausflug kein Risiko wird, lohnt es sich, einige Grundregeln zu kennen. Dieser Ratgeber richtet sich an Sie als Pilzfreundin oder Pilzfreund und ebenso an Ihre Angehörigen, die sich vielleicht Sorgen um Sie machen.
Mit den Jahren reagiert der Körper empfindlicher auf Belastungen. Eine Pilzvergiftung, die bei einem jungen und gesunden Menschen glimpflich verläuft, kann bei älteren Menschen deutlich ernstere Folgen haben. Hinzu kommt, dass Medikamente, Vorerkrankungen und eine geringere Flüssigkeitsreserve den Verlauf erschweren können. Auch das Sehvermögen lässt nach, und Merkmale, die Sie früher mühelos erkannt haben, sind im Dämmerlicht des Waldes manchmal schwerer zu unterscheiden. Das soll Sie keineswegs vom Sammeln abhalten. Es bedeutet nur, dass Sie etwas gründlicher und vorsichtiger vorgehen sollten als früher.
Der wichtigste Grundsatz lautet, dass Sie ausschließlich Pilze mitnehmen, die Sie hundertprozentig sicher bestimmen können. Im Zweifel gilt immer: Stehen lassen. Gefährlich ist vor allem der Grüne Knollenblätterpilz, der jungen Champignons oder Täublingen ähnlich sieht und schon in kleinen Mengen tödlich sein kann. Die tückische Eigenschaft vieler Giftpilze besteht darin, dass die ersten Beschwerden erst viele Stunden nach der Mahlzeit auftreten, manchmal erst nach einem halben Tag. In dieser Zeit hat das Gift bereits Leber und Nieren geschädigt. Verlassen Sie sich deshalb nicht auf Volksweisheiten wie die Behauptung, giftige Pilze färbten einen silbernen Löffel dunkel oder würden von Schnecken gemieden. Beides ist falsch und hat schon manchen Menschen in Gefahr gebracht.
Pilzbestimmungs-Apps und Bücher sind eine schöne Ergänzung, ersetzen aber nicht das geschulte Auge. Fotos können täuschen, Lichtverhältnisse verfälschen Farben, und eine App kann ein und denselben Pilz auf verschiedenen Bildern unterschiedlich bewerten. Wenn Sie unsicher sind, bringen Sie Ihren Fund zu einem Pilzsachverständigen. Diese ehrenamtlich oder beruflich tätigen Fachleute sind bei der Deutschen Gesellschaft für Mykologie sowie bei vielen örtlichen Pilzvereinen und Gesundheitsämtern zu finden und bieten in der Saison häufig kostenlose Beratungen an. Gerade für Seniorinnen und Senioren ist es eine gute Gewohnheit, den gesamten Korb vor dem Verzehr einmal prüfen zu lassen.
Wildpilze sollten Sie niemals roh essen und immer ausreichend lange garen, da viele Arten in rohem Zustand Magen und Darm reizen. Verarbeiten Sie die Pilze möglichst am selben Tag oder am nächsten, und lagern Sie sie bis dahin kühl und luftig. Das mehrfache Aufwärmen von Pilzgerichten ist nicht ratsam, weil sich der Eiweißgehalt der Pilze schnell zersetzt. Genießen Sie Wildpilze außerdem in angemessenen Portionen, denn sie sind für den Magen schwerer verdaulich als Zuchtchampignons. Bewahren Sie von jeder Mahlzeit einen kleinen Rest roher Pilze oder die Putzabfälle auf, denn sie können im Ernstfall dem Arzt bei der Bestimmung des Giftes helfen.
Neben dem Pilzwissen zählt auch die eigene Verfassung. Der Waldboden ist uneben, Wurzeln und feuchtes Laub sind Stolperfallen, und ein Sturz fernab von Wegen kann schnell zum Problem werden. Tragen Sie festes, rutschfestes Schuhwerk, wetterfeste Kleidung und gegebenenfalls einen Wanderstock. Gegen Zecken helfen lange Hosen und das gründliche Absuchen des Körpers nach der Rückkehr. Nehmen Sie ausreichend zu trinken, eine Kleinigkeit zu essen und ein aufgeladenes Mobiltelefon mit, und sagen Sie jemandem Bescheid, wohin Sie gehen und wann Sie zurück sein möchten. Noch schöner und sicherer ist es, den Ausflug gemeinsam zu unternehmen. Ein Familienmitglied, eine Nachbarin oder eine vertraute Betreuungskraft kann Sie begleiten, den Korb tragen und im Notfall sofort Hilfe holen.
Wenn nach einer Pilzmahlzeit Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Bauchkrämpfe, Schwindel oder Sehstörungen auftreten, handeln Sie bitte sofort und warten Sie nicht ab, ob es von selbst besser wird. Rufen Sie den Rettungsdienst unter der Notrufnummer 112 oder wenden Sie sich an das für Ihre Region zuständige Giftinformationszentrum. Halten Sie Pilzreste, Putzabfälle und gegebenenfalls Erbrochenes bereit, damit die Ärzte die Art schnell bestimmen können. Lösen Sie kein Erbrechen auf eigene Faust aus, und trinken Sie keine Hausmittel wie Milch oder Alkohol. Wichtig ist auch, dass alle Personen, die von demselben Gericht gegessen haben, ärztlich untersucht werden, selbst wenn sie sich noch gesund fühlen.
Das Sammeln von Pilzen bleibt auch im höheren Alter ein herrliches Erlebnis, wenn Sie einige einfache Regeln beachten. Sammeln Sie nur, was Sie sicher kennen, lassen Sie Zweifelsfälle prüfen, bereiten Sie die Pilze sorgfältig zu und sorgen Sie dafür, dass Sie im Wald nicht allein unterwegs sind. So können Sie die Natur und die Ernte des Herbstes in vollen Zügen genießen. Und sollten Sie im Alltag Unterstützung benötigen, damit Sie auch weiterhin selbstbestimmt zu Hause leben und Ihren Leidenschaften nachgehen können, beraten wir Sie gerne persönlich und unverbindlich zu den Möglichkeiten einer liebevollen Betreuung in den eigenen vier Wänden.